Moosli und der nicht-perfekt-perfekte Weihnachtsbaum
Es war kurz vor Weihnachten im Zauberwald.
Der erste Schnee lag wie Puderzucker auf den Zweigen,
und die Luft roch nach Kälte, Moos und Tannennadeln.
Moosli stapfte durch den Wald und summte leise ein Lied.
„Weihnachten ist bald“, murmelte er.
„Alles wird geschmückt, und man verbringt Zeit mit seinen Liebsten.“
Plötzlich hörte er Stimmen.
„Der da ist zu krumm.“
„Der hat viel zu viele Äste.“
„Und schau mal – auf der einen Seite fehlen Zweige.“
Moosli blieb stehen.
Zwischen den Bäumen standen mehrere Tiere und betrachteten die Tannen.
Sie gingen weiter.
Sie schüttelten die Köpfe.
Keiner blieb stehen.
Ganz hinten, ein wenig abseits, stand ein kleiner Tannenbaum.
Er war nicht gerade gewachsen.
Ein Ast zeigte nach oben, einer nach unten.
Seine Spitze war ein bisschen schief.
Moosli hörte ein leises Seufzen.
„Ich bin wohl nicht gut genug“, flüsterte der Baum.
Moosli erschrak.
„Du kannst sprechen?“, fragte er vorsichtig.
„Ja“, sagte der Baum leise.
„Ich heiße Henry.“
Moosli setzte sich zu ihm in den Schnee.
„Warum bist du traurig, Henry?“
Henry ließ seine Nadeln hängen.
„Schau mich an“, sagte er.
„Nichts an mir ist perfekt oder gerade.
Und gerade an Weihnachten suchen doch alle einen perfekten Weihnachtsbaum.“
Er schluckte.
„Gerade. Gleichmäßig. Schön von allen Seiten.
Ich bin das nicht.“
Moosli schaute Henry lange an.
Er sah die vielen Äste.
Die kleinen Lücken.
Die sanfte Krümmung.
„Weißt du was?“, sagte Moosli schließlich.
„Ich finde, du bist etwas ganz Besonderes.“
Henry seufzte leise.
„Besonders heißt oft: nicht gut genug“, flüsterte er.
Moosli schüttelte den Kopf.
„Nein“, sagte er ruhig.
„Besonders heißt: einzigartig zu sein.“
Da raschelte es im Schnee.
Nuri, das Eichhörnchen, hüpfte näher und setzte sich auf einen Ast.
„Moosli hat recht“, piepste Nuri.
„Kein Baum hier sieht aus wie du.
Und genau deshalb erkennt man dich sofort.“
Henry dachte nach.
„Wenn ich recht überlege … keiner ist perfekt“, sagte er leise.
Moosli nickte.
„Ganz genau. Und genau das macht uns einzigartig“, sagte er.
„Ich bin auch nicht perfekt.
Schau dir meine Ohren an – sie sind unterschiedlich groß.“
Er lachte.
„Und mein Daumen ist superklein!
Und meine Schuhe? Die Schnürsenkel haben unterschiedliche Farben.
Aber genau daran erkennen mich meine Freunde.“
Nuri lächelte.
„Glaub mir, Henry – du bist genau richtig so, wie du bist.“
Da kroch Trulla, die Schnecke, langsam näher.
„Manchmal“, sagte sie sanft,
„braucht es Zeit, um zu erkennen, wie wertvoll man ist.“
Von oben hörte man ein leises Flügelschlagen.
Eldra, die weise Eule, setzte sich auf einen Ast.
„Nicht perfekt zu sein“, sagte sie ruhig,
„ist kein Fehler.
Es ist das Zeichen, dass jemand echt ist.“
Henry richtete sich ein kleines bisschen auf.
„Dann bin ich vielleicht …“, begann er,
„nicht perfekt.“
Moosli grinste.
„Doch“, sagte er.
„Du bist nicht-perfekt-perfekt.“
Der Schnee fiel leise.
Der Wald war still.
„Henry“, sagte Moosli sanft,
„möchtest du dieses Jahr unser Weihnachtsbaum sein?
Hier im Wald.
Unter Freunden.“
Henrys Nadeln begannen zu glitzern.
„Wirklich?“, flüsterte er.
„Ja“, sagte Moosli.
„Wir schmücken dich hier.
So, wie du bist.“
Und so kamen sie alle.
Nuri brachte Nüsse.
Die Vögel Pip, Lina und Filo brachten Federn.
Trulla sammelte kleine glänzende Steine.
Moosli hängte selbstgebastelte Sterne aus Rinde und Papier auf.
Henry stand mitten im Wald.
Schief.
Mit vielen Ästen.
Und schöner als je zuvor.
Ein warmes Licht leuchtete zwischen seinen Zweigen.
Vielleicht ist Weihnachten genau das, dachte Henry.
Nicht perfekt.
Aber echt.
Und voller Liebe.
Wenn man anderen das Gefühl gibt, gut genug zu sein,
so wie sie sind,
dann müssen sie nichts an sich verändern.
Vielleicht sollten wir viel öfter
unsere nicht-perfekt-perfekten Dinge feiern.
Moosli setzte sich ins Moos, schaute hinauf
und summte sein Weihnachtslied weiter.
🌱 Was Moosli gelernt hat
Niemand ist perfekt – und das ist gut so
Dinge, die anders sind, machen uns einzigartig
Perfekt sein heißt nicht, richtig zu sein
Manchmal sind es genau die kleinen „Unperfektheiten“, die etwas besonders schön machen
Wenn wir andere so annehmen, wie sie sind, fühlen sie sich gesehen und wertvoll
🎒 Mach mit! (mit Beispielen)
🌲 Schau dich um:
Gibt es etwas, das nicht ganz gerade ist?
Etwas mit einer Ecke, einer Macke oder einer besonderen Form?
➡️ zum Beispiel:
ein krummer Ast
ein selbstgemaltes Bild
ein Spielzeug mit Kratzern
ein Pullover mit einem kleinen Loch
💬 Sprich darüber:
Was macht dieses Ding besonders?
Warum magst du es trotzdem – oder gerade deshalb?
💛 Kleine Mitmach-Idee
Male oder bastle deinen eigenen nicht-perfekt-perfekten Weihnachtsbaum 🌲
mit schiefen Ästen
unterschiedlich großen Kugeln
bunten, selbstgemachten Sternen
👉 Es gibt kein Richtig und kein Falsch.
💭 Denkfragen
Was magst du an dir selbst, auch wenn es nicht perfekt ist?
➡️ zum Beispiel:
– meine Lache
– meine Haare
– meine Art zu spielen
– meine IdeenKennst du jemanden, der anders ist – und den du genau deshalb magst?
🎄 Mooslis Gedanke zum Schluss
Nicht perfekt zu sein heißt nicht, falsch zu sein.
Es heißt, echt zu sein.
Und genau das macht Weihnachten –
und uns selbst –
so besonders.
Moosli and the Perfectly Imperfect Christmas Tree
It was shortly before Christmas in the Enchanted Forest.
The first snow lay like powdered sugar on the branches,
and the air smelled of cold, moss, and pine needles.
Moosli trudged through the forest, softly humming a song.
“Christmas is coming soon,” he murmured.
“Everything gets decorated, and people spend time with the ones they love.”
Suddenly, he heard voices.
“That one is too crooked.”
“That one has far too many branches.”
“And look – branches are missing on one side.”
Moosli stopped.
Between the trees, several animals were looking at the fir trees.
They moved on.
They shook their heads.
No one stayed.
Far in the back, a little off to the side, stood a small fir tree.
It had not grown straight.
One branch pointed upward, another downward.
Its tip was slightly crooked.
Moosli heard a soft sigh.
“I guess I’m not good enough,” whispered the tree.
Moosli startled.
“You can talk?” he asked carefully.
“Yes,” said the tree quietly.
“My name is Henry.”
Moosli sat down next to him in the snow.
“Why are you sad, Henry?”
Henry lowered his needles.
“Look at me,” he said.
“Nothing about me is perfect or straight.
And especially at Christmas, everyone is looking for a perfect Christmas tree.”
He swallowed.
“Straight. Even. Beautiful from every side.
I’m not like that.”
Moosli looked at Henry for a long time.
He saw the many branches.
The small gaps.
The gentle curve.
“You know what?” Moosli finally said.
“I think you are something very special.”
Henry sighed softly.
“Special often means not good enough,” he whispered.
Moosli shook his head.
“No,” he said calmly.
“Special means being unique.”
Snow rustled nearby.
Nuri the squirrel hopped closer and sat on a branch.
“Moosli is right,” chirped Nuri.
“No tree here looks like you.
And that’s exactly why you notice him right away.”
Henry thought for a moment.
“When I really think about it … no one is perfect,” he said quietly.
Moosli nodded.
“Exactly. And that’s what makes us unique,” he said.
“I’m not perfect either.
Look at my ears – they’re different sizes.”
He laughed.
“And my thumb is super small!
And my shoes? The shoelaces are different colors.
But that’s how my friends recognize me.”
Nuri smiled.
“Believe me, Henry – you are just right the way you are.”
Just then, Trulla the snail slowly crawled closer.
“Sometimes,” she said gently,
“it takes time to see how valuable you are.”
From above came a soft fluttering of wings.
Eldra, the wise owl, landed on a branch.
“Not being perfect,” she said calmly,
“is not a mistake.
It’s a sign that someone is real.”
Henry straightened up just a little.
“Then maybe I am …” he began,
“not perfect.”
Moosli grinned.
“Yes,” he said.
“You are perfectly imperfect.”
The snow fell softly.
The forest was quiet.
“Henry,” Moosli said gently,
“would you like to be our Christmas tree this year?
Here in the forest.
Among friends.”
Henry’s needles began to sparkle.
“Really?” he whispered.
“Yes,” said Moosli.
“We’ll decorate you right here.
Just the way you are.”
And so they all came.
Nuri brought nuts.
The birds Pip, Lina, and Filo brought feathers.
Trulla collected small, shiny stones.
Moosli hung handmade stars made of bark and paper.
Henry stood in the middle of the forest.
Crooked.
With many branches.
And more beautiful than ever.
A warm light glowed between his branches.
Maybe this is what Christmas really is, thought Henry.
Not perfect.
But real.
And full of love.
When you make others feel good enough just the way they are,
they don’t feel the need to change themselves.
Maybe we should celebrate our perfectly imperfect things much more often.
Moosli sat down in the moss, looked up,
and continued humming his Christmas song.
🌱 What Moosli Learned
Nobody is perfect — and that is a good thing
Things that are different make us unique
Being perfect does not mean being right
Sometimes the little “imperfections” are what make something truly beautiful
When we accept others just the way they are, they feel seen and valued
🎒 Try It Yourself! (with examples)
🌲 Look around you:
Can you find something that isn’t perfectly straight?
Something with a little mark, a bend, or a special shape?
➡️ for example:
a crooked branch
a handmade drawing
a toy with scratches
a sweater with a tiny hole
💬 Talk about it:
What makes this thing special?
Why do you like it anyway — or maybe because of that?
💛 Little Creative Activity
Draw or craft your own perfectly imperfect Christmas tree 🌲
with crooked branches
different-sized ornaments
colorful, handmade stars
👉 There is no right or wrong.
💭 Questions to Think About
What do you like about yourself, even if it’s not perfect?
➡️ for example:
– my laugh
– my hair
– the way I play
– my ideasDo you know someone who is different — and whom you like because of that?
🎄 Moosli’s Thought at the End
Not being perfect does not mean being wrong.
It means being real.
And that is what makes Christmas —
and all of us —
so special.